III. RATZINGER-STUDIENWOCHE 2021
„Das kirchliche Amt im Licht der Gottesfrage – Orient und Okzident im Dialog“

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Wiener Studienhaus Johannes von Damaskus (CCVU) / St. Ephräm Wissenschaftliches Zentrum für Theologische Orient&Okzident-Studien, Wien (STEP), in Kooperation mit der Katholischen Hochschule ITI, Trumau (ITI), gefördert mit den Mitteln der Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung, München

Bericht:

Nach dem großen Echo und der hohen Beteiligung von Studierenden aus dem christlichen Orient und Okzident an den beiden vorausgegangenen Ratzinger-Studienwochen I (Kirchenväter) und II (Eins in der Taufe) wurde vom 9.-12. Dezember 2021 im Wiener Studienhaus Johannes von Damaskus die dritte Ratzinger Studienwoche veranstaltet, gefördert aus den Mitteln der Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung. Die Veranstaltung fand aufgrund der Corona-Maßnahmen hybrid statt. Professoren und Professorinnen der Theologie namhafter Universitäten, die in der Ratzingerforschung tätig sind, und jungen Menschen, Studierende aus Ost und West begegneten sich. An Ländern waren vertreten: Deutschland, Österreich, Belgien, Italien, Georgien, Ukraine, Slowakei, Serbien, Tschechien, Griechenland, Albanien und Indien. Im kleinen Kreis der Anwesenden diskutierte man gemeinsam mit den virtuell Zugeschaltenen Themen zum kirchlichen Amt im Licht der Gottesfrage aus katholischer und orthodoxer Perspektive. Leitlinie waren dazu Texte und Reflexionen von Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. zum Bischofs-, Priesteramt und Diakonat, die in Rückbindung an die Kirchenväter gemeinsam reflektiert und in den heutigen aktuellen Kontext gestellt wurden. Bischof Dositeos Bogveradze aus Brüssel (georgisch-orthodoxe Kirche) erinnerte in seinem eröffnenden Grußwort an die patristische Grundlage der kirchlichen Struktur, die ihre Wurzeln im Geheimnis Gottes hat, der sich in Jesus Christus offenbarte. In seinem Eröffnungsvortrag sprach der diesjährige Preisträger des Premio Ratzinger, Prof. Dr. Schwienhorst-Schönberger (Wien), über den Zusammenhang von Kult und Priestertum im Alten Testament, wobei er im Rekurs auf Ratzinger die Bedeutung des alttestamentlichen Tempelkults für die Theologie des sakramentalen Priestertums unterstrich. P. Ephräm Dr. habil. Givi Lomdize (Trumau/Wien) führte in die Bedeutung des gemeinsamen Anliegens der Studienwoche für die katholische und orthodoxe Kirche ein und griff aktuelle theologische Debatten auf. Dabei betonte er, dass das kirchliche Amt nach kirchlichem Verständnis kein Menschenkonstrukt oder eine „von Menschen gemachte Institution ist“ (Ratzinger), sondern seine ἀρχή (archḗ), seinen Anfang, sein Prinzip und seinen Ursprung in Gott-Vater als dem Sendenden hat, was es heute in der Kirche wieder neu zu entdecken gelte. Prof. Dr. Stefanos Athanasiou (Bern/Tirana) referierte über den Priester als Sünder und als Ikone Christi. Diese Spannung im Priesteramt entfaltete er mit der eucharistischen Auffassung des Priesteramtes in der Orthodoxen Theologie im Dialog zur Theologie Joseph Ratzingers/Papst Benedikt XVI. Paul Markowitsch (Wien) vertiefte das Wort Ratzingers „Der Bischof ist ein Christusträger“ in Bezug auf Anspruch und Sendung des bischöflichen Dienstes im Denken von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. Eine philosophische Durchdringung zur Gottesfrage legte Prof. Dr. Michael Wladika (Trumau/Wien) mit Augustinus Gottesbegriff vor unter dem Grundpostulat der radikalen Transzendenz des Einen und dessen Pluralisierung in Drei. Prof. em. P. Dr. Stephan O. Horn SDS (Passau) verlebendigte mit seinen eigenen Erinnerungen Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI. als Priester und Bischof. Zur theologischen Ortsbestimmung des Diakons wertete Prof. Dr. Stephan Herzberg (Frankfurt a. M.) unter dem Aspekt „Aus dem Geheimnis Gottes den Menschen dienen“ Predigten von Joseph Ratzinger zum Diakonat aus in Bezug auf die Unverzichtbarkeit der Gottesfrage für das Verständnis diakonischen Handelns. Er leistete damit einen wichtigen Beitrag für die theologische Vertiefung und Fundierung des diakonalen Dienstamtes. Dem fügte sich Prof. Dr. Michaela C. Hastetter (Trumau/Freiburg i. Br.) an mit Reflexionen zur aktuellen Debatte des Diakonats der Frau, wobei sie in einem ostkirchlichen Zugang Quellen aus der syrisch-antiochenischen Tradition theologisch für das Heute auswertete und zwischen sakramentaler Ordination beim Diakon und der bischöflichen Beauftragung einer Diakonisse unterschied. Den Schlusspunkt bildete Dr. Franz-Xaver Heibl (Regensburg) mit seiner Entfaltung des Priesters als Gesandter Jesu Christi zum „Dienst der Freude“ für die Menschen, dem sich eine Lektüreeinheit anschloss mit Texten aus dem Werk von Joseph Ratzinger.

Den liturgischen Rahmen der Ratzinger-Studienwoche III bildeten Laudes und Vesper abwechselnd gesungen in lateinischer und byzantinischer Tradition, die Zelebration der Hl. Messe und der Göttlichen Liturgie sowie der ostkirchliche Gesang zum Totengedenken (Nekrosimos) in altgeorgischer Sprache.  

Trotz der erschwerten Bedingungen der Pandemie konnte im Wiener Studienhaus Johannes von Damaskus mit den Studierenden und Lehrenden vor Ort sowie den zugeschalteten Gästen ein kostbarer Bogen von der Alten Kirche ins Heute über die Theologie des emeritierten Papstes Benedikt auf durchweg hohem Niveau geschlagen werden, die nach der Evaluation der Teilnehmenden überaus positiv aufgenommen und echter Beitrag im Aufeinander-zu von christlichem Morgen- und Abendland gewertet wurden.

Der Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung sei ein herzlicher Dank ausgesprochen für die großzügige Förderung der Veranstaltung, die nun schon zum dritten Mal als Ratzinger-Studienwoche im Dialog zwischen der Ost- und Westkirche stattfinden durfte. Die einzelnen Beiträge der Vortragenden erscheinen als Buchpublikation in der Reihe „Theologische Orient&Okzident-Studien“ im EOS-Verlag St. Ottilien, um sie einer größeren Leserschaft zugänglich zu machen. Allen, die zum Gelingen dieser Tage beigetragen haben ein herzliches Vergelt’s Gott!

Michaela C. Hastetter
Ephräm G. Lomidze

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