Worte von Benedikt XVI. zum 50. Konzilsjubiläum und
zum Beginn des Jahres des Glaubens am 11. Oktober

Der selige Johannes XXIII. wünschte, daß das Zweite Vatikanische Ökumenische Konzil am 11. Oktober eröffnet werden sollte, am selben Tag, an dem 431 das Konzil von Ephesus Maria zur „Theotokos“, Mutter Gottes, proklamiert hatte. Bei diesem Anlaß begann er seine Ansprache mit bedeutsamen und programmatischen Worten:

„Es jubelt die Mutter Kirche, weil durch besondere Gnade der göttlichen Vorsehung dieser hochersehnte Tag angebrochen ist, an dem hier am Grabe des hl. Petrus unter dem Schutz der jungfräulichen Gottesmutter, deren Mutterwürde heute festlich begangen wird, das Zweite Vatikanische Ökumenische Konzil seinen Anfang nimmt.“

Wie ihr wißt, wird am kommenden 11. Oktober zum Gedenken an dieses außerordentliche Ereignis feierlich das „Jahr des Glaubens“ eröffnet werden, das ich mit dem Motu Proprio Porta fidei ausgerufen habe. Darin verweise ich auf Maria als beispielhaftes Vorbild des Glaubens und rufe ihren besonderen Schutz und ihre Fürbitte für den Weg der Kirche an, indem ich ihr – die selig ist, weil sie geglaubt hat – diese Zeit der Gnade anvertraue.

(Ansprache vom 8. September 2012)

Beiträge und Artikel zum Jahr des Glaubens, die wir mit freundicher Genehmigung der Autoren hier als Download bereitstellen.

Dr. Mary McCaughey

Faith an Institution: a perspective from Joseph Ratzinger

Glaube und Institution (Vorwort von Prof.Dr. Achim Buckenmaier)
In der Reihe zum Glaubensjahr haben wir vor allem Beiträge aus der Feder Joseph Ratzingers/Papst Benedikt XVI. zusammengestellt, in denen er den biblischen Glauben in seinen verschiedenen Dimensionen und Wirkungen darstellt. Der in Englisch verfaßte Beitrag von Dr. Mary McCaughey, Dozentin am St. Patrick’s College in Maynooth, Irland, hat die Gestalt einer eigenen kleinen Abhandlung und führt in die Sicht ein, die Joseph Ratzinger von der vielgestaltigen Wirklichkeit der Kirche hat: Sie ist nicht nur geistlich, aber auch nicht nur Struktur und Organisation. Institution und persönlicher Glaube stehen einander nicht als Gegensätze gegenüber. Was Struktur ist, soll ihrem Auftrag dienen: dem Menschen den Weg in die Gemeinschaft mit Gott und so auch untereinander zu führen. Freilich weiß der Theologe Ratzinger auch, daß geschichtliche Erfahrungen und ein modernes Lebensgefühl gerade der äußeren Seite der Kirche, besonders ihrer hierarchischen Verfassung, skeptisch gegenüber stehen. Wenn die Theologie von der „marianischen Dimension“ der Kirche spricht, will sie davor bewahren, die Kirche nur noch als karitativ oder ethisch tätigen und so sinnvoll engagierten Dienstleister zu verstehen, sondern als „Glaubenskirche“ wiederzuentdecken, deren Eigentliches nicht der Mensch in die Welt bringen kann, sondern, wenn Gott Glaubende und Horchende findet, sich immer wieder von Gott „im Geist“ gewirkt wird und sich als Wunder ereignet. 

PD Dr. Michaela C. Hastetter

Wandlung

bevor man sich einem theologisch hoch komplexen Thema wie dem der „Wandlung“ zuwendet, ist es gut, sich zuvor einmal des Begriffes zu vergewissern. In welchem Kontext verwenden wir heute Wandlung, wo begegnet uns der Begriff des Wandels? Der Wandel scheint gemeinhin fast zu einem Leitbegriff der Spätmoderne avanciert zu sein: Klimawandel, gesellschaftlicher Wandel, demographischer Wandel, kultureller Wandel. Nicht nur dem Fortschrittsgedanken liegt das Phänomen des Wandels zugrunde, die Menschheit als Ganze untersteht einem beständigen Wandel, wie dies Kardinal Ratzinger in seiner Fronleichnamspredigt aus dem Jahr 1978 in München ausgedrückt hat: „Wir wissen ja heute mehr als in früheren Zeiten, daß in der Tat das ganze Leben dieser Welt und die Geschichte der Menschheit Bewegung ist, unablässiges Sich-Wandeln“. Beim Wandel, der zum Wesen des Fortschritts gehört, gelte es dann aber nachzufragen, „welches sein Maß und welches sein Ziel ist“. Denn die bloße Bewegung sei noch kein Fortschritt: „Sie kann ja auch eine rasche Fahrt in den Abgrund hinein darstellen“. Damit tut sich bereits ein erstes Unterscheidungskriterium auf, das soziokulturelle Wandlungen von der heiligen Wandlung, dem eucharistischen Zentrum jeder Heiligen Messfeier unterscheidet: Während die verschiedenen Wandlungsformen, denen die Menschheitsfamilie, der Kosmos und die Kultur unterliegen, zwar von den unterschiedlichsten Faktoren bestimmt werden, die sich auch erheben lassen, aber letztlich nicht zielgerichtet sind, hat das Geschehen in der Liturgie, das wir Wandlung nennen, eine Mitte, es hat ein Maß und ein Ziel, das Jesus Christus selbst ist, der menschgewordene Sohn Gottes. Was aber passiert in dieser Wandlung?

Prof. Dr. Christoph Ohly
Theologische Fakultät Trier
Kurzreferat

Die Kirche lebt von der Eucharistie

In eindrücklicher Weise hat der selige Papst Johannes Paul II. an den inneren Zusammenhang von Eucharistie und Kirche erinnert, als er seine testamentarische Enzyklika mit den Worten eröffnete: „Die Kirche lebt von der Eucharistie“. Darin brachte er nicht nur eine alltägliche Glaubenserfahrung zum Ausdruck. Vielmehr war er davon überzeugt, dass damit das Wesen der Kirche erfasst werden könne. Die Kirche kann nicht ohne die Eucharistie leben; sie findet in ihr vielmehr ihren Ursprung, ihren Weg und ihr Ziel.
Damit hat sich Johannes Paul II. zum Ende seines Pontifikates noch einmal bewusst in den Kontext jenes II. Vatikanischen Konzils gestellt, dessen Eröffnung vor 50 Jahren wir uns zusammen mit dem „Jahr des Glaubens“, das Papst Benedikt XVI. einberufen hat, dankbar erinnern. Denn eben dieses Konzil war der festen Überzeugung, dass die Kirche als im Mysterium schon gegenwärtiges Reich Christi durch die Kraft Gottes sichtbar in der Welt wächst. Und als wolle das Konzil fragen „Wie wächst die Kirche denn?“ antwortete es in der Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“ bekennend: „Sooft das Kreuzesopfer, in dem Christus, unser Osterlamm, dahingegeben wurde, auf dem Altar gefeiert wird, vollzieht sich das Werk unserer Erlösung. Zugleich wird durch das Sakrament … die Einheit der Gläubigen, die einen Leib in Christus bilden, dargestellt und verwirklicht“.

Papst Benedikts „Jesus von Nazareth“ als innerer Weg zu Jesus Christus
Stephan Otto Horn SDS

Man könnte die Absicht, die Papst Benedikt mit seinem Werk „Jesus von Nazareth“ verfolgt, so beschreiben: Er will zeigen, das Jesus mit seinem Leben und seiner Botschaft, mit seinem Tod und seiner Auferstehung Gott den Vater offenbart; er vermag dies zu tun, weil sein innerstes Geheimnis darin liegt, dass er der Sohn ist und Gott von Angesicht zu Angesicht schaut.

Ich möchte Ihnen das Werk des Heiligen Vaters dadurch nahebringen, dass ich dessen spirituelle Dimension hervorhebe. Ich will also etwas dazu sagen, wie es uns helfen kann, unseren inneren Weg zu Jesus Christus freudiger, zuversichtlicher und hingebungsvoller zu gehen. Zugleich werde ich gelegentlich etwas Biographisches einfügen.

Der Text ist die Wiedergabe zweier Vorträge an Ordenschristen zum Ordenstag in Regensburg am 5. Mai 2013. Der Vortragsstil wurde beibehalten.

Das Abendmahl Jesu und die Eucharistie
Stephan Otto Horn SDS

Auch meinen zweiten Vortrag möchte ich beginnen mit einem Hinweis auf die letzte Mittwochsaudienz von Papst Benedikt. Dort ruft er uns im Blick auf das Jahr des Glaubens zu: „Ich möchte alle einladen, ihr festes Vertrauen auf den Herrn zu erneuern, sich wie Kinder den Armen Gottes anzuvertrauen in der Gewissheit, dass diese Arme uns immer stützen und uns ermöglichen, Tag für Tag voranzuschreiten, auch in der Mühsal. Ich möchte, dass jeder sich geliebt fühlt von jenem Gott, der seinen Sohn für uns hingegeben, und uns seine grenzenlose Liebe gezeigt hat. Ich möchte, dass jeder die Freude empfindet, Christ zu sein.“ Die Erneuerung des Glaubens erwartet Papst Benedikt also von der Erneuerung des Vertrauens auf die Liebe Gottes, der seinen Sohn für uns hingegeben hat. Die Glaubenserfahrung der Liebe Gottes wird uns aber in einzigartiger Weise in der Eucharistie geschenkt. Wenn wir das nun näher bedenken, wird sich uns zeigen, dass Papst Benedikt die Erneuerung des Lebens der Kirche und der Welt vor allem von einer eucharistischen Erneuerung erwartet.

„Christ werde wesentlich“
von P. Karl Josef Wallner OCist in ‚KIRCHE heute‘ 10/2012

Im Blick auf das bevorstehende „Jahr des Glaubens“ ermutigt P. Dr. Karl Josef Wallner OCist, der an der Hochschule Heiligenkreuz bei Wien doziert, an die konkreten Glaubensinhalte heranzugehen. Auf dem Hintergrund seiner akademischen wie pastoralen Erfahrung wagt er, sieben entscheidende Themen zu benennen und kurz auszuführen. Mit diesen „Basics“, wie er sie bezeichnet, versucht er, ein Fundament
zu bieten, welches den christlichen Glauben über die konfessionellen Grenzen hinweg als überzeugende Lebensentscheidung aufzuzeigen vermag. Es geht ihm zunächst um den dreifaltigen Gott und sein gnadenhaftes Zugehen auf den Menschen. Themen wie Maria, Priestertum oder die sieben Sakramente werden dabei noch nicht berührt.

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