Dr. C. Michaela Hastetter

Was die Theologie von Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. für junge Theologen so anziehend macht
In den letzten Jahren war es im deutschsprachigen universitären Raum nicht unbedingt immer ein Aushängeschild, sich mit der Theologie Joseph Ratzingers zu beschäftigen. Und dennoch ist eine Generation junger Theologen herangewachsen, die von dieser Theologie fasziniert sind.
Was aber macht ihre Anziehungskraft aus?

Vielleicht können es drei Schlaglichter auf den Punkt bringen:
1) Klarheit: Die Theologie des Papstes strahlt Klarheit aus, die von seiner Liebe zur Wahrheit her­rührt. Nichts an dieser Theologie wirkt gekünstelt, die Wahrheit tritt dem Leser mit all ihrer Leuchtkraft entgegen, aber in einer zeitgemäßen Sprache in der Auseinandersetzung mit den geistesgeschichtlichen Strömungen des 20. und 21. Jahrhunderts auf der Grundlage der Vätertradition.
2) Schönheit: Anziehend wird Ratzingers Theologie vor allem durch die Schönheit seiner Sprache und den kunstvollen Gedankenaufbau, der dem Kompositionsprinzip klassischer Symphonien folgt. Nicht umsonst trägt er den heimlichen Ehrentitel "Mozart der Theologie", indem sich in seinem Werk alles zu einer großen Symphonie des Glaubens zusammenfügt.
3) Einheit: Gegen den postmodernen Sog wagt es Ratzinger, von Einheit zu sprechen, in der die Vielfalt gewahrt wird. Dies ist alles andere als unzeitgemäß. Vielmehr ist Ratzinger seiner Zeit voraus und führt die Zersplitterung der Welt und der Theologie in seinem Denken wieder zusammen – nicht aufgrund eines unbestimmten allgemeinen philosophischen Prinzips, sondern in ihrem Zentrum, Jesus Christus. Dies ist für ihn auch Schlüssel für die Einheit der Konfessionen.

Biografische Daten:

Dr. Michaela Christine Hastetter studierte an der Hochschule für Musik (Schulmusik) und der LMU (Kath. Theologie) in München. Nach fünf Jahren Schuldienst promovierte sie 2006 in Kath. Theologie zum Thema "Horch! Mein Geliebter!" Die Wiederentdeckung der geistlichen Schriftauslegung in den Hoheliedvertonungen des 20. Jahrhunderts. 2003 trat sie in das Säkularinstitut Cruzadas de Santa María ein. 2004-2007 war sie Assistentin am Lehrstuhl für Pastoraltheologie der LMU München. Seit 2007 ist sie wissenschaftliche Assistentin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und habilitiert sich dort in Pastoraltheologie. Sprecherin der Jungen Theologen.